Ärzte, Therapie & Co., mein Leben mit MS, Multiple Sklerose

Abenteuer Reha – Teil 3

Nachdem ich den Umschlag mit dem Reha-Antrag zur Post gebracht hatte, war ich davon ausgegangen, dass der Stress damit vorbei sei. Wie naiv von mir.

Letzte Woche Samstag kam der Brief von der Rentenversicherung, dass die Reha bewilligt worden ist. Vier Wochen. Mega. Ich habe mich wirklich sehr gefreut. Und gedacht, dass jetzt sicher auch alles mit dem Reha-Termin geklappt hätte. Ich hatte in meinem Antrag darum gebeten, dass ich erst im Juni zur Reha fahre – wegen diverser Arzttermine, die teilweise nicht verschiebbar sind, und wegen der Arbeit. Jetzt beginnt bei uns ja die heiße Phase mit Klassenarbeiten, Elternsprechtagen und allem, was eben zum Schulalltag dazugehört.

Tja.

Ebenfalls am Samstag kam der Brief der Klinik, in der ich die Reha verbringen soll. Anreisetermin in zwei Wochen. An meinem Geburtstag. Folglich nicht nur unpraktisch, sondern vor allem auch deshalb blöd, weil ich dann genau in der Zeit in der Reha wäre, in der mein absolut unverschiebbarer Termin bei meiner Spezialistin ist.

Also habe ich heute erst mal in der Klinik angerufen und gefragt, ob sie mich auf Juni schieben kann. Konnte sie nicht. So eine Klinik darf den Termin maximal um vier Wochen verschieben und in meinem Fall wären es zwölf gewesen. Die freundliche Dame am Telefon riet mir, die Rentenversicherung anzurufen – mitsamt Vorwarnung, dass man schlecht durchkommt.

Nach einer knappen Stunde Warteschleife hatte ich einen sehr netten Sachbearbeiter am Telefon, der mir mitteilte, dass ich eine so lange Verschiebung schon schriftlich beantragen müsse (Vielen Dank an meine Hausärztin, die meinte, es wäre kein Problem, wenn ich erst im Juni in Reha will. Ich hatte sie extra gefragt, ob ich den Antrag vielleicht später stellen soll. Wie gesagt: meine Ärzte haben noch weniger Ahnung von Reha-Anträgen als ich).

Was also tun?

Nach einer Spontankonferenz mit meiner Reha-erfahrenen Tante stand fest: ich muss wohl in den sauren Apfel beißen und früher fahren.

Also noch mal bei der Klinik angerufen. Ich hab der (immer noch) sehr freundliche Dame meine neuesten Erkenntnisse mitgeteilt und gemeinsam haben wir den Termin um drei Wochen verschoben. Dann bin ich – ganz arbeitgeberfreundlich – über die Osterferien weg. Das vereitelt meinem Mann und mir zwar sämtliche Urlaubspläne, dafür fehle ich so aber auch nur zwei Wochen bei der Arbeit. Was das Chaos im Nachhinein überschaubar machen sollte. Außerdem bin ich ja nach der Reha völlig tiefenentspannt mit Teflon-Haut und Nerven wie Drahtseilen – und dank der Sportanwendungen vermutlich so fit und gestählt, dass ich jeden verprügeln kann, der versucht, mich zu stressen.

Also alles gut soweit.

Bis es soweit ist, und ich die erste Reha meines Lebens antrete, muss ich jetzt „nur noch“ meinen Chef informieren, diverse weitere Formulare ausfüllen, mein Bahnticket organisieren, Sportkleidung und einen Badeanzug kaufen, Stoffverteilungspläne umschreiben, Arbeiten verschieben, Vertretungspläne schreiben und hoffen, dass alles gutgeht.

Ich bin echt gespannt, wie es weitergeht. Eins ist aber auf jeden Fall schon mal klar: Wer eine Reha beantragt, braucht sie spätestens dann, wenn er sich durch den ganzen Bürokratiewahnsinn gekämpft hat und sie endlich antritt…

Fortsetzung folgt.

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Abenteuer Reha – Teil 2

„Kein Problem“, dachte ich, naiv wie ich bin, und stürzte mich ins Internet, „Mal eben Frau Google fragen, das Formular runterladen und ab dafür. Easy.“

Tja … dummerweise gibt es nicht das Formular. Es gibt sieben Formulare. Zwei davon füllt der Arzt aus, eins die Krankenkasse und die übrigen fünf, richtig, ich.[1]

Von der Fülle an Papier fühlte ich mich erst mal so erschlagen und überfordert, dass ich gleich wieder einen Rückzieher machen wollte. Es folgten drei Tage schlechte Laune (an dieser Stelle möchte ich meinen Mann grüßen und ihm für seine unfassbare Geduld mit mir danken. Toller Kerl. Solltet ihr mal kennen lernen.).

Letzten Endes hat mir genau diese Dünnhäutigkeit, die im Nachhinein betrachtet absolut lächerlich war, deutlich gezeigt, dass eine Reha vielleicht ja gar keine so schlechte Idee ist. Unterstützt wurde das von meiner Reha-erprobten Tante, die mir mit Kommentaren wie: „Wenn du keinen Bock auf die Leute da hast, dann gehste halt spazieren und tapezierst dein Schneckenhäuschen von innen neu“ Mut für eine Reha machte.

Nachdem ich also mit meinem kleinen Schmoll- und Trotzanfall fertig war, setzte ich mich an die Formulare. Die erste Hürde zeigte sich sofort: Wo um alles in der Welt finde ich denn meine Versicherungsnummer von der Rentenversicherung?! Als ich die gefunden hatte, war es eigentlich ziemlich easy. Mithilfe des letzten Arztbriefs der Spezialistin brauchte es nur knappe zwei Stunden, bis alles soweit ausgefüllt war. Mein Job war erst mal erledigt.

Nun fehlte noch das Formular von der Krankenkasse. Wo sollte ich das denn bitte eingeschickt werden? Ein kurzer Blick auf die Internetseite meiner Krankenversicherung verriet mir, dass man nur anrufen muss, um dieses Formular ausgefüllt zugeschickt zu bekommen. Das wollte ich dann tun, wenn ich alle anderen Unterlagen beisammenhätte.

Vor allem war aber die Frage, wann ich den Antrag einreichen sollte. Ich will nämlich im Juni in die Kur. Das ist aktuell der einzige Monat, in dem ich keinen von langer Hand geplanten und schwer verschiebbaren Arzttermin habe. Was also tun? Ich wollte die Hausärztin fragen.

Die war total begeistert davon, dass ich schon alles soweit im Voraus ausgefüllt hatte. Dass das auf ihre Bitte hin geschehen war, schien ihr nicht mehr präsent zu sein, aber das ist auch nicht verwunderlich. Wir sehen uns ja immer nur bei der Blutabnahme.  Auf jeden Fall hat sie sich gefreut. Beim Formular zur Kostenabrechnung wies ich sie darauf hin, dass ich vorsichtshalber das Formular für die Rentenversicherung Bund und das für Hessen ausgedruckt hatte. Ich war mir nämlich absolut nicht sicher, wer für die Abrechnung meiner Ärztin zuständig war. Davon, wo die ganzen Formulare hingehen sollten, schon mal ganz abgesehen. Ich war aber, naiv wie ich bin, einfach mal davon ausgegangen, dass meine Hausärztin als Profi das schon wissen würde.  Tja, falsch gedacht. Sie wusste es auch nicht.

Abgesehen davon, dass ich es ziemlich witzig finde, dass ich als Laie scheinbar inzwischen mindestens so viel Ahnung von Reha-Anträgen habe wie meine Ärzte, schwant mir so langsam, weshalb der vor-Ort-Neurologe versucht hat, mir die Reha auszureden: der hatte glaub einfach keinen Bock auf die Antragstellerei.

Um es kurz zu machen: der Brief mit allen Unterlagen ist jetzt endlich weg (hab mich dafür entschieden, alles nach Berlin zu schicken) und nun harre ich der Dinge, die da kommen werden.

Das Abenteuer geht also weiter und deshalb:

Fortsetzung folgt.

 

[1] Die Formulare und ein paar andere wichtige Infos fand ich übrigens auf der wirklich gelungenen Seite www.reha-jetzt.de Keine Ahnung, ob das jetzt Werbung ist. Falls ja, bekomme ich nichts dafür. Eigentlich schade. ;-)