Alltag, Multiple Sklerose, mein Leben mit MS

Resilienzfaktor Optimismus

Man kann es nicht oft genug sagen: Multiple Sklerose ist scheiße.

So, wie eben jede andere Krankheit auch. Oder wie jede andere Krisensituation, die uns hinterrücks überfällt.

Daran, dass ich krank bin, ändert sich jedoch nichts, wenn ich über meinen Zustand jammere. Im Gegenteil. Je mehr ich mich meinen Problemen widme, umso schlimmer werden sie.

Damit meine ich nicht, dass man Krisen und Schwierigkeiten ignorieren sollte (wie ich versucht habe, in meinem letzten Artikel deutlich zu machen)! Aber auch, wenn man seine Situation akzeptiert hat, gibt es ja Momente, in denen man sich von ihr überwältigt fühlt.

Ich kenne solche Tage auch nur zu gut, in denen mir alles düster und farblos erscheint. Die, an denen ich zum Kämpfen einfach keine Lust mehr habe.

Früher habe ich solche Tage damit verbracht, mich in einer großen Wanne voller Selbstmitleid ausgiebig zu suhlen. Was für eine Verschwendung. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die damalige Situation aus heutiger Sicht absolut großartig war. Manche Dinge merkt man einfach viel zu spät …

Dass das Leben mit Multipler Sklerose viele Unannehmlichkeiten mit sich bringt, lässt sich nicht verleugnen. Die Frage ist jedoch, ob ich mich auch davon bestimmen lasse. Denn auch hier gilt: ich bestimme über mein Leben. In diesem Fall darüber, worauf ich meine Aufmerksamkeit richte.

Natürlich ist es ein Leichtes, mich ins Bett zu legen und mich zu bemitleiden, weil ich wegen der MS mein geliebtes Bassspielen aufgeben musste. Oder weil ich dauernd Schmerzen habe. Oder weil die Fatigue mich nach wie vor viel zu sehr lähmt. Oder … oder auch wegen … und nicht zuletzt, weil …

Kennste, oder? Komm vorbei, dann heulen wir zusammen … nicht.

Was bringt es mir denn, mich ständig auf das Negative zu konzentrieren? Ständig darauf zu sehen, was nicht mehr ist, was ich nicht mehr kann, wo sich mein Leben anders entwickelt hat, als ich wollte? Oder was habe ich davon, wenn ich mir jetzt schon Sorgen darüber mache, was die MS vielleicht in ein, fünf oder zwanzig Jahren mit mir macht?

Richtig: gar nichts.

Es versaut mir nur meine Gegenwart.

Statt also Kraft und Zeit auf Selbstmitleid und Sorgen zu verschwenden, macht es viel mehr Sinn, optimistisch auf das Leben zu gucken.

Wie das gehen soll, wenn doch gerade mal wieder alles scheiße ist?

Da geht es ja schon los. Ist denn wirklich alles scheiße? 😉

Eine gute Möglichkeit, die ich für mich entdeckt habe, um die düsteren Gedanken im Zaum zu halten, ist ein Positiv-Tagebuch. Das ist ein ganz normales A5-Heft. An Tagen, an denen ich mal wieder den Unsinn glaube, dass alles schlecht sie, schreibe ich abends all das auf, was an dem Tag gut war. Alles. Und sei es noch so klein. Es gibt immer etwas. Also ist logischerweise auch nicht alles schlecht.

Durch das Aufschreiben mache ich mir all das Positive bewusst, das ich im Leben habe und gehe direkt selbst wieder positiver durchs Leben.

Mittlerweile muss ich die Dinge gar nicht mehr aufschreiben, sondern kann sie mir auch so, direkt in der Situation vergegenwärtigen. Statt morgens, wenn der Wecker klingelt, zu denken „Och nö, ich muss aufstehen.“ denke ich „Ein neuer Tag, an dem ich alleine aufstehen, alleine duschen und mich alleine anziehen kann. Wie schön!“ Statt mich zu ärgern, dass mein linker Arm vom Tippen am PC mittlerweile ziemlich wehtut und die Bewegungen im Moment immer unkoordinierter werden, freue ich mich, dass ich in den vergangenen zwei Stunden einiges an Mails und Schreibarbeit ohne Schmerzen erledigen konnte. Das ist großartig. Und dass ich jetzt mit dem Schreiben aufhören muss, ist ja vielleicht auch für alle Beteiligten das Beste.

 

Wie immer im Leben geht es auch hier darum, sich zu entscheiden, worauf wir unsere Konzentration richten. Auf das Schlechte, oder das Gute. Ich habe beschlossen, meinen Blick auf das Gute zu richten und mir all den Segen bewusst zu machen, den ich in meinem Leben habe.

Denn diese Bewusstmachung bewirkt Dankbarkeit. Und wer dankbar ist, kann nicht depressiv sein.

Was gibt es in deinem Leben an Positivem? Wofür kannst du heute dankbar sein?