Gestern war es mal wieder so weit: Mein jährlicher MRT-Termin stand an.

Da ich aktuell an einer Studie teilnehme, in wieweit sich innere Haltung und psychische Verfassung auf die Wirksamkeit von MS-Medikamenten auswirken, musste ich diesmal nicht zur Radiologie-Abteilung im Hauptgebäude der Uniklinik, sondern in das der Forschungsabteilung an einem anderen Standort. Da dieses in einem völlig anderen Stadtteil steht, dachte ich in meiner Naivität, dass es dort ja wohl auch ein Lesegerät für meine Gesundheitskarte gäbe. Weit gefehlt. Das kam mir zwar zunächst seltsam vor, ich machte mir aber keine großen Gedanken darum. Die würden schon wissen, was sie tun. Außerdem freute ich mich viel zu sehr auf das MRT. Es gibt ja Leute, die das unangenehm finden, aber für mich sind diese Untersuchungen Entspannung pur. Ich weiß, ich bin seltsam, aber ich hab ja auch was im Kopf…

Nach einem erholsamen Schläfchen in der MRT-Röhre wurde mir mitgeteilt, dass ich jetzt nur noch mein Kärtchen bei der Anmeldung im Hauptgebäude der Uniklinik einlesen lassen müsse. Dafür sei es nun aber schon zu spät, ich möge das in den nächsten Tagen unbedingt nachholen.

Vorbei war’s mit Erholung und Entspannung. Die Uniklinik liegt nämlich in der Nachbarstadt und somit 35 km entfernt. Dementsprechend kostet mich eine Fahrt mit dem ÖPNV zwischen 30 und 60 Minuten. Nicht gerade die Freizeitbeschäftigung, die mir so vorschwebt. Und angesichts dessen, dass mir seit meiner Diagnose von genau dieser Uniklinik ständig gepredigt wird, dass Stress ein wichtiger Einflussfaktor ist, der vermieden werden soll, war dieses Herumgegurke für meine Nerven äußerst kontraproduktiv.

„Nun gut, was soll’s?“, dachte ich. Schließlich fahren Bus und Bahn nicht schneller, wenn ich mich ärgere. Außerdem bin ich der festen Überzeugung, dass mein Leben mit allem, was dazugehört, in Gottes Händen liegt und er die Dinge steuert – manchmal eben anders, als ich es gerne hätte. Folglich würde dieses Hinundhergefahre vermutlich am Ende doch zu etwas Positivem führen.

Diese Erkenntnis besänftigte mich ein Wenig, aber nicht vollständig. Und so saß ich dann heute Nachmittag in der Uniklinik an der Anmeldung und war abermals der festen Überzeugung, dass diese Stippvisite im Krankenhaus vollkommen sinnfrei und vermeidungswürdig wäre. Bis ich dann im Anmeldeschalter bei einem überaus redseligen Angestellten saß.

Er: „Sind sie jetzt nur wegen dem Kärtchen hier?

Ich: „Ja. Es hieß, dass ich das schnellstens einlesen lassen soll.“

Er: „Ja, aber das hätte doch auch noch am 27. gereicht.“

Ich: „Wie, am 27.?“

Er: „Na, da haben Sie doch einen Termin bei Ihrer Ärztin zur Besprechung der MRT-Bilder.“

Ich: „Ne, den hab ich im August.“

Er: „Also hier steht am 27.Mai. Gucken Sie mal.“

Er drehte seinen PC-Bildschirm und da stand tatsächlich der 27.Mai. Also wurde ich kurzerhand in die Neurologie geschickt, um Klarheit in die Sache zu bringen. Wie sich herausstellte, hatte man mir einen falschen Termin geschickt. Ohne meinen heutigen Abstecher an die Klinik und mit einem anderen Angestellten, der nicht so sehr in Plauderlaune gewesen wäre, hätte ich von diesem Malheur nie etwas mitbekommen. Ich wäre im August aufgeschlagen, nur um zu erfahren, dass mein Termin bereits drei Monate zurückliegt.

Ich bin begeistert. Von meinem Gott, der alles so grandios und gut führt.

Ich bin ein wenig beschämt. Über meine geringe Frustrationsschwelle und die wertvolle Zeit und Nerven, die ich an meine Bruddelei verschwendet habe. Zumal ich es doch eigentlich besser weiß.

Und ich fühle mich beschenkt. Weil ich einmal mehr erleben konnte, dass ich einen Gott habe, der die Dinge unter Kontrolle hat, sodass ich sie getrost abgeben darf.

Außerdem hat mir die ganze Angelegenheit eine wichtige Sache in Erinnerung gerufen:

Man sollte das Leben in vollen Zügen genießen! ;-)