Advent – einer meiner liebsten Jahresabschnitte überhaupt. Drei bis vier Wochen im Dezember, in denen ich entschleunigen und mich auf das Wesentliche besinnen kann.

Für mich bedeutet der Advent vor allem Kerzen anzünden, Lesen, Weihnachtslieder hören (vornehmlich von den Pentatonix), Schwarztee schlürfen, Kekse knabbern und auf dem Weihnachtsmarkt Fritten futtern.

Dieses Jahr heißt der Advent für mich leider etwas völlig anderes, nämlich Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Fieber. Ich bin krank. Und zwar seit mittlerweile drei Wochen. Heißt es normalerweise, dass eine Erkältung drei Tage kommt, drei Tage bleibt und drei Tage geht (und danach konnte ich mein ganzes Leben lang quasi die Uhr stellen), läuft es bei mir, seitdem ich mit heruntergefahrenem Immunsystem durchs Leben spaziere, eher: kommt drei Tage, bleibt eine Woche, verschwindet für einen Tag, kommt dann heftiger zurück, bleibt so vier Tage, nimmt wieder ab und kann sich einfach nicht dazu durchringen, mich allein zu lassen.

Dabei wäre ich doch so gerne allein. Musik hören mit verklebten Stirnhöhlen macht einfach keinen Spaß. Obwohl mir die Kälte (frei nach der Eiskönigin) nie wirklich etwas ausgemacht hat, macht es mit Erkältung und Fieber einfach keinen Spaß, über den Weihnachtsmarkt zu laufen. Unvernünftig wäre es noch dazu. Mein Husten würde davon sicherlich auch nicht besser. Der fühlt sich übrigens auch bei jedem noch so kleinen Spekulatiuskrümelchen genötigt, zu zeigen, was er kann. (Also nichts mit Kekseknabbern. Die Hüfte freut sich, die Seele eher nicht)

Mal ehrlich, ich habe das ganze Jahr nicht so viel Sport gemacht wie jetzt mit den ständigen Hustenanfällen. Andere gönnen sich Bauchmuskeltraining im Sportstudio, ich gönne mir eine mehrwöchige Erkältung …

Was mich aber mal wieder am meisten nervt, ist, dass ich einfach nicht aus dem Puschen komme. Wirklich: ich hasse es, wenn ich nicht das tun kann, was ich tun will. Dank der Fatigue schlafe ich ja ohnehin schon deutlich mehr als der Durchschnittsmensch. Aber das, was ich aktuell weg ratze, ist doch noch mal eine ganz andere Hausnummer. Spätestens um 21 Uhr bin ich ausgeknipst. Spätestens. Trotz Mittagsschlaf.

Und was man in der verschlafenen Zeit alles machen könnte … Geschenke shoppen, Plätzchen backen, Weihnachtsfilme gucken, lesen und, und, und. Diesmal nicht. Es gibt heute leider kein Foto für mich. Kein Stuhl hat sich umgedreht. Schade eigentlich.

Um es kurz zu machen: Es läuft im Moment alles nicht so optimal, wie ich es mir für den Advent gewünscht hätte.

Wenn ich wollte, könnte ich mich jetzt schön in meine Schmollecke zurückziehen, weinen, strampeln, schimpfen und mich selbst bemitleiden.

Will ich aber nicht.

Und deshalb mache ich es auch nicht.

Denn obwohl ich liebend gern auf diesen Infekt verzichtet hätte, bringt er mich doch auch wieder viel Gutes.

Zum Beispiel wäre ich unter normalen Umständen nie auf die Idee gekommen, mich wegen einer Erkältung und popeligen 38° Körpertemperatur von einer Gesamtkonferenz abzumelden. Nicht, weil da irgendetwas Spannendes passieren würde (haha, das wäre mal was …), sondern schlicht und ergreifend, weil ich so dermaßen unsinnig pflichtbewusst bin, dass es manchmal wehtut.

Die Umstände sind aber nicht mehr normal. Und deshalb bin ich letzte Woche zum ersten Mal in 12 Jahren zu meinem Schulleiter gegangen, um mich krankzumelden und von der Konferenz befreien zu lassen. Und zwar ohne schlechtes Gewissen (ja, na gut… größtenteils ohne schlechtes Gewissen).

Das mag banal klingen, aber für mich war das ein Riesenschritt! Selbstfürsorge ist nämlich nach wie vor eine meiner größten Baustellen. Grenzen ziehen und Nein sagen ebenso.

Dass ich es diesmal geschafft habe, vernünftig zu sein und auf meinen Körper zu hören, der mir laut und deutlich „Halt, Stopp, jetzt rede ich!“ entgegenbrüllte, ist für mich ein echter Etappensieg. Und ich gebe zu, ich bin ein bisschen stolz auf mich.

Also haben dieser hartnäckige Infekt und die MS mir doch tatsächlich geholfen, mir eine gesündere Grundhaltung anzugewöhnen. Und das finde ich großartig.

Tee floss in den vergangenen Wochen bei mir ebenfalls literweise, sodass ich diesen Punkt auf meiner To-Do-Liste auch guten Gewissens abhaken kann.

Obwohl der Advent in diesem Jahr absolut nicht so läuft, wie ich ihn mir gewünscht hatte, muss ich doch eins sagen: wenn dieser Advent 2018 etwas ist, dann entschleunigt.

Und das wollte ich doch.

 

 

(Und wenn Spekulatius im Hals zu sehr kratzen, esse ich eben Dominosteine. Oder mein Lieblings-Wintergemüse: die kleine Marzipankartoffel 😊)

3 Gedanken zu “Anders als geplant – und trotzdem schön

  1. Also, auf die Entschleunigung und auf einen schönen 3. Advent! :)
    …und Danke für‘s mit „Rüberkommen“ in meinen anderen Blog ;)

  2. Es geht mir weniger um Heimeligkeit, sondern eher um dieses bewusste Entschleunigen und Runterkommen, quasi ein Entkommen vom Alltag im Alltag. Das fällt mir im Advent irgendwie leichter als im Rest des Jahres. Vielleicht, weil es jetzt gewissermaßen „gesellschaftlich legitimiert“ ist.
    Und das ist ja mit ein Teil des Problems: dass mir Entschleunigung grundsätzlich so schwer fiel und fällt.
    Die MS mit allem, was sie so mit sich bringt, ist ein Bremsklotz, der mich zwingt, besser für mich zu sorgen. Und Selbstfürsorge – wenn auch erzwungen – finde ich unglaublich wertvoll. Wie du sagst: es hätten noch ganz andere Klötze sein können. Da bin ich „froh“, dass es die MS wurde, die mich zur Vernunft bringt, und kein Herzinfarkt o.ä. ;)

  3. Ja, es ist nicht alles (also nicht alles *räusper*) schlecht daran nicht wahr? Erzwungene Entschleunigung; und das mit einer Begründung, die jeder versteht…“wouh….ich meine, sie hat eine chronische, unheilbare Krankheit!!“ XD …manchmal habe ich gedacht, so in den letzten zwei Jahren der Totalentschleunigung (von 240 Sachen runter auf verkehrsberuhigte Spielstraßenzone), hätte mich die MS nicht zu Boden gezwungen, wäre ich sicher einem Schlaganfall, Herzimfarkt oder sonstigem Burnout erlegen. Und siehste, Mia, so hat alles doch noch sein Gutes. Und wenn es für Dich eine heimelige, entschleunigte Adventszeit ist (ohne ermüdende Konferenzen ;-) ), ist‘s doch prima! :) Dennoch: Wünsche ich Dir gute und baldige Besserung (ich weiß, wie doof das ist..!)
    LG Farouk

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