Spaß mit Ärzten

Heute fiel für mich der Startschuss zu einer regelrechten Odyssee an Arztterminen, die meisten davon stehen direkt oder indirekt mit der MS in Verbindung.

Um es gemächlich angehen zu lassen, stand heute die quartalsmäßige Blutabnahme an. Eigentlich sollen regelmäßig (laut Uniklinik alle drei Monate) die Blutwerte geprüft werden, immerhin steht mein Interferon in dem Ruf, selbige gerne mal ziemlich durcheinanderzuwürfeln. „Und wenn ich schon da bin“, dachte ich, „Lass ich mich auch gleich noch gegen Grippe impfen.“

Im Grunde war mein Plan grundsolide: fix ungefrühstückt zu meiner supertollen und megagründlichen Hausärztin springen (sie ist wirklich fantastisch), Blut dalassen, Grippeimpfstoff im Arm mitnehmen, heimgehen, frühstücken, Kaffee trinken. Eingeplante Zeit: 20 Minuten inklusive Fußweg zur Praxis.

Tja, falsch geplant.

Direkt nach der Blutabnahme meinte die Sprechstundenhilfe: „Oh, hier steht, dass wir heute ein EKG machen.“ Ich wusste natürlich von nichts. EKG? Ich? Ich bin doch keine alte Frau… Ich wurde angewiesen, im Wartezimmer Platz zu nehmen, während die Ärztin in unser beider Verwirrung eingeweiht wurde.

Ich wartete.

Dann ging es zum EKG. War auch mal eine spannende Erfahrung. Ob man da immer den Mund halten muss, oder die Sprechstundenhilfe einfach keine Lust auf Smalltalk hatte, weiß ich nicht. Die Maschine ratterte und nach wenigen Minuten sprang die Sprechstundenhilfe mit den Worten „Ich zeig das mal der Ärztin.“ zur Tür raus. Ich lag währenddessen schweigend, halb entblößt, mit Saugnäpfen an Oberkörper und Beinen auf der Arztliege und fror ein wenig. Memo an selbst: EKG immer im Sommer machen lassen. Als ich endlich von dem Gerät befreit worden war, sah ich aus, als hätte mich ein Tintenfisch angegriffen. Aber ich glaube, Punktemuster steht mir, daher war das nur halb so wild.

Danach ging es wieder ins Wartezimmer. Mein Magen grummelte bereits ein wenig und der Wunsch nach Kaffee steigerte sich beinahe ins Unermessliche. Hätte ich den Damen vielleicht sagen sollen, dass ich, wenn ich hungrig bin, zum Hulk werde? (Zumindest behaupten das böse Zungen – sprich mein Mann – in regelmäßigen Abständen…)

Endlich wieder bei der Ärztin: Ich erfuhr, dass ich neben der Grippeimpfung als MS-Patientin auch noch eine gegen Lungenentzündung kriegen solle. Außerdem gäbe es ein kleines Problem: „Ihnen fehlt eine MMR-Impfung. Aber die können wir ihnen nicht geben, solange sie mit Interferonen behandelt werden. Wann war denn die letzte Infusion?“ Zu ihrem Erstaunen teilte ich meiner Hausärztin mit, dass ich dreimal die Woche spritze. „Können Sie damit auch pausieren? Nicht? Tja… hm… dann geht das eben nicht. Gegen Röteln sind Sie ja schon mal ausreichend geschützt.“ Als ich ihr dann noch mitteilte, dass ich als Kind die Masern hatte, war die Welt wieder halbwegs in Ordnung. Denn „Mumps ist ja auch ohnehin so selten…“ Alles klar, dann knutsch ich einfach nur Leute ohne Mumps…  Nein, im Ernst: Da Mumps ja mittlerweile meldepflichtig ist, hoffe ich, dass ich rechtzeitig gewarnt werde, sollte er bei meiner Arbeit oder in meinem nähren Umfeld auftreten. Immerhin habe ich heute dank der MS mal wieder etwas Spannendes gelernt: bei Interferobehandlungen sind Totimpfungen okay, Lebenimpfungen aber nicht. Und ja, die Begriffe „Totimpfung“ und „Lebendimpfung“ finde ich grandios. Sie hätten gute Chancen gehabt, meine Worte des Monats zu werden, aber leider habe ich am Mittwoch erst den Begriff „Todesrasseln“ kennen gelernt und den toppt echt erst mal nichts.

Jedenfalls… Da wir irgendwie beide nicht mehr an die Blutuntersuchung gedacht hatten, wurde noch schnell ein neuer Termin in drei Monaten ausgemacht. Hierbei erfuhr ich übrigens, dass ich für die Blutabnahme gar nicht nüchtern sein muss, da keine Zuckerwerte getestet werden – vielen Dank auch, Dr.Google… immerhin ging es jetzt endlich ans Impfen. „Heute bitte keinen Sport mehr machen und nicht schwer heben.“ Och, naaa guuuuut… da will ich mich natürlich nicht gegen den medizinischen Rat von Fachpersonal stellen. Wo ich doch ausgerechnet heute sportlich werden wollte… (hihi)

Nach 70 (SIEBZIG) hungrigen Minuten war ich dann wieder daheim. Mit weniger Blut in mir, dafür gegen Grippe und Lungenentzündung geimpft und mit zwei zusätzlichen Arztterminen in der Tasche: Blutabnahme, und Impfung Teil 2. Aber vielleicht gibt es ja beim nächsten Besuch auch noch eine spontane Blinddarmoperation, einen Lungenfunktionstest oder eine Geschlechtsumwandlung. Ich werde auf jeden Fall in Zukunft mehr Zeit einplanen.

Ein Gedanke zu “Spaß mit Ärzten

  1. Liebe Mia! Ich finde es großartig, dass du deinen Humor nicht verloren hast! Mir hat das Lesen großen Spaß gemacht (auch wenn es für dich bestimmt weniger lustig war…).
    Mach weiter so und verlieren niemals deinen Humor! Das ist das wichtigste, was du dir bewahren kannst.
    LG Astrid

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