Farbfilm wiedergefunden

Manchmal, wenn man mal wieder den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, ist es gut, den Fokus zu ändern. Und wenn man das nicht von selbst schafft, wird der Blick eben manchmal auch etwas robuster gelenkt…

In meinem letzten Blogartikel hatte ich ja geschrieben, dass es mir momentan etwas schwer fällt, den Blick von meinem Krankheitsfrust weg, hin zu dem eigentlichen Mittelpunkt meines Lebens, nämlich Jesus Christus, zu konzentrieren. Und obwohl die letzten Tage deutlich besser waren (falls du für mich gebetet hast: danke!), drehten sich meine Gedanken nach wie vor viel zu sehr um meine Gesundheit und die Beschränkungen, die damit aktuell einhergehen. Meine Hoffnung war, dass die Ferien, die heute beginnen, die Welt wieder etwas anders aussehen lassen würden. Dass dieser Farbfilm, den ich zugunsten des falschen Films, den ich in den letzten zwei Wochen geschoben hab, völlig vergessen hatte, allerdings so schnell zurück in mein Leben kommen würde, wie das heute der Fall war, hatte ich nicht erwartet.

Eigentlich fing der Tag wieder einigermaßen frustig an. Ich wollte mir ein Rezept für mein MS-Medikament holen. Da die freundliche Dame am Empfang sich jedoch nicht sicher war, welches Präparat sie mir genau aufschreiben sollte, bat sie mich, morgen noch mal mit dem passenden PZN-Code vorbeizukommen. Die PZN ist die Pharmazentralnummer, durch die ein Medikament mitsamt Wirkstoffstärke, Darreichungsform und Packungsgröße eindeutig bestimmt werden kann. Fand ich ja erst mal ziemlich doof, das ich wieder unverrichteter Dinge von dannen ziehen musste, nur um morgen erneut zu meinem Neurologen zu tapern.

Andererseits hatte ich etwas Neues gelernt, nämlich, dass es da eine PZN gibt. Neues Wissen finde ich immer schon mal per se super. Und ich wollte nun natürlich genauer wissen was das ist, wie sie funktioniert und was für Infos sie beinhaltet. Mein nächster Weg führte zum PC. Frau Google wurde gefragt, was es mit der PZN auf sich hat und schwuppdiwupp war ich auf einer Infoseite, auf der man die PZN eingeben kann, um sämtliche verfügbaren Informationen zu diesem Medikament zu erfahren. Da ich mittlerweile auch die PZN auf meiner Medikamentenverpackung entdeckt hatte, gab ich sie ein. Was ich erfuhr, waren Dinge, die ich natürlich schon wusste: Hersteller, Wirkstoff, Darreichungsform und Anwendungsgebiet… alles nichts Neues. Und trotzdem war meine Bekanntschaft mit der PZN unglaublich wichtig. Denn es gab eine Info auf der Seite, die sich bislang meiner Kenntnis entzogen hatte. Nämlich, wie unfassbar teuer diese Medikamente sind. Ich wusste zwar, dass ich kein Schnäppchenpräparat bekomme, aber nicht, wie exorbitant teuer das Zeug tatsächlich ist. Diese Info ging mir ähnlich unter die Haut, wie das Präparat selbst. Um es kurz zu machen: allein meine Medikation verursacht jährlich Kosten von mehr als 23.000€. Unfassbar.

Und da war er plötzlich. Der letzte Klick, der mich aus meiner Schmollecke rauskatapultiert hat. Und er führte mich zurück zur

Dankbarkeit.

Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich in einem Land lebe, das ein funktionierendes Krankenkassensystem hat! Wäre ich nicht krankenversichert, müssten mein Mann und ich nur für die Medikamente meiner Grunderkrankungen und halbjährliche MRT monatlich 2000 € berappen. Die Bezahlung der Ärzte ist da noch gar nicht mit drin.

Und da ist der neue alte Fokus. Es geht mir trotz allem: trotz Schmerzen, trotz Schlafmangel, trotz blauen Flecken und trotz nerviger Mitmenschenkommentare so unfassbar gut. Angefangen bei der Krankenversicherung, die so viele Kosten deckt, dass ich nicht mit der Crystal Meth Produktion anfangen muss, über mein bequemes Bett, meine wunderschöne Wohnung, meinen ordentlich bezahlen Job, meine Freunde, meine Familie und meinen geduldigen Ehemann…

Ich bin über die Maßen gesegnet.

Danke Jesus.